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Wie zu Omas Zeiten

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Wickel und Kompressen

Wir kennen sie noch aus der Hausapotheke unserer Mütter und Großmütter: Wickel und Kompressen sowie ihre Anwendung haben sich aus der jahrhundertelangen Erfahrung mit Kräutern entwickelt. Die wohltuende Wirkung des Wassers war den Menschen übrigens schon in der Steinzeit bekannt. Noch immer greifen wir gerne auf Wickel und Kompressen zurück – und das Wissen über sie hat sich über die Jahre erweitert. Doch was sind sie eigentlich genau und wie wende ich sie richtig an?

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Was sind Wickel und Kompressen?

Egal ob Wickel oder Kompresse: Es geht dabei immer darum, dass Wirkstoffe in Tücher gepackt und diese dann auf ein oder mehrere Körperteile aufgelegt werden. Unterschieden werden sie je nach Anwendungsform, Temperatur oder der betreffenden Körperregion.

  • Bei einem Wickel wird das Innentuch meist mit einer Flüssigkeit und/oder Substanz getränkt, dann um ein Körperteil gewickelt und mit dem trockenen Tuch von allen Seiten abgedeckt (z. B. bei einem Wadenwickel)
  • Von einer Kompresse oder Auflage hingegen spricht man, wenn eine Auflage nicht rundum, sondern nur auf ein Körperteil oder Organ aufgelegt und mit einem Außentuch fixiert wird. z. B. bei einer temperierten Ölkompresse.

Wie wirken Umschläge und Kompressen?

Sie wirken je nach Temperatur sehr vielseitig:

  • Bei heißen Wickeln dehnt die Wärme die Blutgefäße aus und bewirkt somit eine verstärkte Durchblutung. Dadurch gelangen Nährstoffe, Sauerstoff und Abwehrstoffe leichter zu den Zellen. Durch den angeregten Stoffwechsel werden Schadstoffe besser abtransportiert. Außerdem werden die Muskeln entspannt und Schmerzen gelindert. Nicht nur die umwickelte Körperstelle, sondern auch andere Organe werden reflektorisch durch den heißen Wickel beeinflusst. Achtung: Ein heißer Wickel sollte niemals so heiß sein, dass es unangenehm wird!
  • Bei kalten Wickeln kommt es im Umkehrschluss natürlich zu einer Verengung der Blutgefäße, Durchblutung und Zellstoffwechsel werden vermindert. Das Bakterienwachstum wird gehemmt. Die Kälte wirkt anregend, gleichzeitig werden Schwellungen sowie Schmerzen gelindert.
  • Temperierte Wickel sind etwas sanfter als heiße Wickel und daher für Kinder und ältere Menschen besonders gut geeignet.
  • Zugefügte Wirkstoffe in Form von ätherischen Ölen, Kräutern, Ölauszügen oder Salben können die gewünschte Wirkung der Wickel und Kompressen intensivieren oder bestimmte Schmerzen noch gezielter behandeln (z. B. Arnika bei Muskelbeschwerden).

Bei Wickel und Kompressen wird immer die Ausscheidungsfunktion der Haut angeregt, außerdem wirken sie beruhigend, entspannend und schenken das Gefühl von Geborgenheit – ganz egal, welche Temperatur sie haben. Sie beeinflussen also nicht nur den Körper, sondern auch das Gemüt.

Wann wird von Umschlägen und Kompressen abgeraten?

Da kalte Wickel dem Körper Wärme entziehen und die Durchblutung senken, sollten sie bei starker Kälteempfindlichkeit, akutem Harnwegsinfekt (z. B. einer Blasenentzündung) oder Fieberanstieg und Schüttelfrost nicht angewandt werden. Warme Wickel hingegen sind nicht für Menschen geeignet, die Wärme schlecht vertragen, z. B. aufgrund von Herzproblemen. Achten Sie außerdem darauf, nur jene Wirksubstanzen zu verwenden, die vom Patienten auch gut vertragen werden.

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Wie mache ich Kompressen und Wickel?

Die richtige Anwendung

Vorausgeschickt: Sie benötigen keine besondere Ausrüstung – das meiste finden Sie im täglichen Haushalt: Tücher, Schale oder Krug, Löffel oder Spatel, Wasser, evtl. ein Tablett. Das Wichtigste: Bringen Sie genügend Zeit und Ruhe mit.

Wickel und Kompressen bestehen meist aus zwei Tüchern, einem Innen- und einem Außentuch. Das zuvor in eine Kräuterlösung getränkte oder mit einem Kräuterbrei bestrichene Innentuch wird direkt auf die Haut gelegt und sollte aus Leinen oder Baumwolle bestehen. Es kann übrigens auch mit frischen Blättern belegt, mit Tinkturen/Ölauszügen oder ätherischen Ölen betropft oder mit Salben bestrichen werden. Das Außentuch sorgt für Nässeschutz und reguliert die Temperatur. Hierfür eignen sich am besten Wolle, Frottee, Molton oder Flanell. Je nach Körperteil kann auch ein Schal oder eine Mütze verwendet werden.

Zusätze bei Wickeln und Auflagen

Tees sind besonders einfach in der Handhabung und wirken gut. Auch Topfen, Zwiebel oder Essig sind beliebte Hausmittel für Wickel und Kompressen.

Lavendel und Zitronenthymian eignen sich als ätherische Öle besonders gut für die Anwendung mit Wickeln und Auflagen. Lavendel wirkt entzündungshemmend und beruhigend. Vor allem Zitronenthymianöl eignet sich durch seine milde Wirkung auf Haut und Schleimhäute sehr gut für Kompressen: Es stärkt die Abwehr, wirkt immunstimulierend und hilft besonders bei Atemwegserkrankungen wie Erkältungen, Husten und Bronchitis.

Die richtige Dosierung ätherischer Öle: Für Wickel und Kompressen sollten Sie ätherische Öle nur tropfenweise verwenden: Am besten gelingt Ihnen das Mischen von ätherischen Ölen mit einem Trägeröl z. B. unseren Ölauszügen. Mischen Sie dafür beispielsweise 2 EL Johanniskrautöl mit 9 Tropfen des ätherischen Öls (5 Tropfen für Kinder) und geben Sie die Mischung dann auf das Innentuch. Sie können die Substanz beispielsweise auch in zimmerwarmen Topfen rühren, diesen messerrückendick auf eine Kompresse streichen und als kühlende Auflage verwenden, z. B. bei Quetschungen und Prellungen.

Grundanleitung heiße bzw. temperierte Wickel

  1. Das bereits vorbereitete Innentuch in eine kleine Plastiktüte stecken und diese für 2 Minuten in eine zusammengeklappte Wärmflasche (oder zwischen zwei Wärmflaschen) geben.
  2. Sobald das Innentuch ausreichend Hitze gespeichert hat, aus der Tüte nehmen und um die Körperstelle wickeln. Tipp: Bei färbenden Kräutern kann man ein weiteres Tuch verwenden, das verhindert ein Abfärben auf das Außentuch.
  3. Das Innentuch aus der Plastikhülle nehmen und um die gewünschte Körperstelle wickeln.
  4. Das Außentuch dient als letzter Schritt zum Fixieren und Wärmen.
  5. 15 bis 20 Minuten im Liegen einwirken lassen.
  6. Das Innentuch vorsichtig entfernen, und für weitere 10 Minuten die Wärme des Außentuchs nachwirken lassen.

Grundanleitung heiße bzw. temperierte Kompresse

  1. Das bereits vorbereitete Innentuch in eine kleine Plastiktüte stecken und diese für 2 Minuten in eine zusammengeklappte Wärmflasche (oder zwischen zwei Wärmflaschen) geben.
  2. Sobald das Innentuch ausreichend Hitze gespeichert hat, aus der Tüte nehmen und um die Körperstelle wickeln. Tipp: Bei färbenden Kräutern kann man ein weiteres Tuch verwenden, das verhindert ein Abfärben auf das Außentuch.
  3. Das Innentuch aus der Plastikhülle nehmen und auf die gewünschte Körperstelle legen.
  4. Das Außentuch dient als letzter Schritt zum Fixieren und Wärmen.
  5. Die Auflage kann den ganzen Tag bzw. die Nacht über getragen werden.

Was Sie sonst noch beachten sollten …

Ein Wickel sollte nie zu fest umgelegt werden, und die zu behandelnde Person sollte in einer entspannten Position liegen. Fragen Sie nach ihrem Befinden und beobachten Sie immer, ob der Wickel auch (noch) gut tut. Fühlt es sich für die Person nicht mehr angenehm an, sollten die Wickel entfernt werden. Nach einem Wickel empfiehlt es sich, die betreffende Hautpartie z. B. mit einem Johanniskrautöl gut einzureiben und sich noch eine Weile (ca. eine halbe Stunde) unter einer Decke auszuruhen.

Es gibt übrigens so einige Gründe, warum Sie sich Zeit nehmen sollten für Wickel:

  • Um gesund und fit zu bleiben.
  • Um sich schnell selbst zu helfen: Gerade wenn Schmerzen plötzlich auftauchen, kann mit einem Wickel rasch Erste Hilfe geleistet werden.
  • Als Alternative zu fiebersenkenden Mitteln – vor allem bei Kindern!
  • Weil sie kostengünstig sind – und immer griffbereit!
  • Weil die gepflegte Person sich besonders umsorgt fühlt.

Sie möchten Wickel und Kompressen auch mal ausprobieren? Hier finden Sie einige Rezeptbeispiele!

 

Quellenangabe und weiterführende Links:
Arnold Achmüller: Wickel, Salben und Tinkturen – Das Kräuterwissen der Bauerndoktoren in den Alpen, Edition Raetia, ISBN 9788872835340
​​Monika Werner /Ruth von Braunschweig: Praxis Aromatherapie: Grundlagen – Steckbriefe – Indikationen, Georg Thieme Verlag, 2020, ISBN‎ 313243471X
Annegret Sonn: Wickel und Auflagen. Georg Thieme Verlag, 2004, ISBN 3131119128
Rudolf Likar, Günther Bernatzky, Dieter Märkert, Wilfried Ilias: Schmerztherapie in der Pflege: Schulmedizinische und komplementäre Methoden. Springer, 2009, ISBN 3211720863,
Rudolf Likar, Günther Bernatzky, Dieter Märkert, Wilfried Ilias: Schmerztherapie in der Pflege: Schulmedizinische und komplementäre Methoden. Springer, 2009, ISBN 3211720863
https://www.fryberger-roesselerhof.ch/wp-content/uploads/2019/02/Wickel.pdf
https://www.walaarzneimittel.de/de/ratgeber-gesundheit/aeussere-anwendungen/wickel-und-auflagen.html

Dieser Blog und die darin enthaltenen Rezepte und Anwendungen wurden nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Die Informationen wurden sorgfältig recherchiert und stammen von Fachleuten sowie anderen Quellen und Büchern. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Für therapeutische Anwendungen konsultieren Sie bitte Ihren Arzt.